Sobald der Jugendliche sein „Innen“ gefestigt hat, d. h. soziale Kompetenz, sowie Eigen- und Fremdverantwortung erlernt hat, kann er sich dem „Außen“, d. h. seiner Eingliederung in die Gesellschaft widmen. Dies geschieht im Rahmen des sozialtherapeutischen Moduls. Der Jugendliche möchte hier seine Zukunft mitgestalten, sowohl innerhalb der Hausgemeinschaft, als auch seine Persönliche. Hierzu gehört auch die verbindliche Umsetzung seiner zuvor entwickelten Schul- und/oder Berufsperspektiven sowie seiner Freizeitaktivitäten. Dies findet im individuellen Wochenplan jedes Bewohners seinen Raum.

Inhaltlich beschäftigt sich der Jugendliche mit allen Aufgaben und Arbeiten, die für sein Leben nach dem Aufenthalt in unserer Einrichtung notwendig sind (Schul- und Berufsausbildung, Wohnungssuche etc.). Das bedeutet, dass die Bewohner bei Bedarf die örtlichen, externen Schulen besuchen, sich über externe Beratungen (z. B. Arbeitsamt) eine berufliche Perspektive aufbauen und in Betrieben Praktika oder Ausbildungen absolvieren.

Auch grundlegende alltägliche Fertigkeiten wie das Führen des eigenen Haushaltes, Ordnung halten, Pünktlichkeit und Verbindlichkeit werden hier eigenverantwortlich praktisch eingeübt und umgesetzt.

Von den Jugendlichen wird erwartet, dass sie eine klare Haltung „pro Abstinenz“ leben, was durch regelmäßige Kontrollen auf Alkohol und Drogen in der jetzt belastenderen, da realitätsnäheren Lebensform, gefördert wird.

Die Betreuung wird sich hier an einer „Komm“-Struktur orientieren. D. h., dass die Hausgemeinschaft die meisten ihrer Gruppen inhaltlich eigenverantwortlich strukturiert und dass sich jeder Jugendliche eigenständig im Bedarfs- oder Krisenfall Hilfe bei den Mitarbeitern holt. Insgesamt ist hier eine langsame „Abnabelung“ vom bisherigen Hilfsangebot angedacht. Die Jugendlichen müssen sich mehr und mehr gegenseitig stützen oder extern Hilfe holen. So ist die Teilnahme an externen Selbsthilfegruppen verpflichtend.

Die Gemeinschaft versorgt sich selbst. Es wird gemeinsam eingekauft, gekocht, das Haus in Ordnung gehalten etc. Der Gruppe wird hierbei ein zunehmend höheres Maß an Verantwortung abverlangt, d. h. die pädagogische Anleitung wird nach und nach vorsichtig abgebaut.

Im pädagogischen Bereich ist in den Anwesenheitszeiten der Jugendlichen immer mindestens ein Mitarbeiter anwesend. Wie zuvor wird auch in der Stadt-WG mit einem Bezugsbetreuersystem gearbeitet.

Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit ist die Betreuung konkreter Konflikt- und Problemsituationen, sowohl in der Hausgemeinschaft als auch im Kontakt mit externen Stellen (z. B. Ämter, Arbeitgeber). Inhaltlich orientiert sich die Arbeit weniger an pädagogischen oder therapeutischen Ansätzen, sondern vermehrt an sozialtherapeutischen und administrativen Grundsätzen. Außerdem gilt es, den Gesamtablauf und die Aktivitäten des einzelnen Jugendlichen sehr genau zu beobachten (Monitoring), um an wirklich kritischen Punkten (Rückfallgefahr, sonstiges Abgleiten) zusätzlich eingreifen zu können. Außerdem besuchen die Mitarbeiter regelmäßig die externen Praktikums- und Ausbildungsstellen der Jugendlichen.

Im gruppenübergreifenden therapeutischen Bereich werden die Jugendlichen durch einen Therapeuten betreut. Es wird im Regelfall pro Woche eine gruppentherapeutische Veranstaltung geben, außerdem haben die Jugendlichen die Möglichkeit, sich für eine Einzeltherapie in der Woche zu melden.

In der „Stadtwohngruppe Waldkirchen“ werden analog zu unserem Phasensystem folgende Phasen durchlaufen:

  • Phase der Außenorientierung II – Wie geht es mit mir weiter?
  • Aufbruchphase – Was will ich nun tun?
  • Stabilisierungsphase – Wo habe ich Probleme und wie gehe ich sie an?
  • Ablösungsphase – Welches soziale System baue ich mir auf?