Jeder Jugendliche soll die Hilfsangebote erhalten, die an seine spezifische Problematik aber insbesondere an seine persönlichen Bedürfnisse und Ressourcen angepasst sind. Eine Individualisierung der Angebote erreichen wir in unserer Einrichtung durch die Arbeit mit einem Modulsystem. Das bedeutet, dass es verschiedene Maßnahmenmodule gibt, denen der Jugendliche je nach Fähigkeiten und Bedürfnissen zugeordnet wird. Hierbei gibt es drei Hauptmodule mit den inhaltlichen Schwerpunkten Pädagogik, Psychotherapie und Sozialtherapie. Diesen vorgelagert ist das Clearingmodul. Die Hauptmodule haben dann wieder Einzelmodule (= Veranstaltungen), die zur Erfüllung der Ziele des Hauptmoduls beitragen. In der Umsetzung heißt dies, dass Jugendliche alle oder nur einzelne Hauptmodule mit unterschiedlicher Intensität durchlaufen müssen/können. Hierdurch bietet sich z. B. die Möglichkeit des Quereinstiegs für Jugendliche. Die Hauptmodule sind auch den 3 Häusern zugeordnet

 

Clearingmodul (Diagnostik)

Das Clearing- oder auch Diagnose- und Motivationsmodul hat einzig das Ziel, dass sich das Mitarbeiterteam ein aussagekräftiges Bild von den Stärken und Schwächen des Jugendlichen machen kann. Im Mittelpunkt dieses Moduls stehen also die Datenerhebung und –auswertung zur Klärung des Hilfebedarfs eines jeden Jugendlichen und zur weiteren Einleitung von unterstützenden Maßnahmen. Diese Klärung soll in den ersten 3 Wochen des Aufenthaltes stattfinden und betrifft die Ebenen Psychotherapie/Psychiatrie, Pädagogik und Sozialtherapie. Hierbei gilt der Grundsatz „So kurz wie möglich, so lange wie nötig“.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass für die Jugendlichen der Clearingphase relativ wenig Freiräume bestehen, dementsprechend werden aber auch nur geringe Anforderungen gestellt. Die Einhaltung der Kardinalregeln gehört dazu. Für die Clearingphase sind eigene Mitarbeiter eingeteilt. Ein Psychologe ist in der Clearingphase für Krisenintervention und Motivationsgespräche zuständig (meist Kurzkontakte).

Die Voraussetzungen sind bei den von uns aufgenommenen Jugendlichen dabei sehr unterschiedlich. Teilweise haben die Jugendlichen einen Marathon durch diverse medizinische und pädagogische Einrichtungen hinter sich, in denen eine umfassende Diagnostik durchgeführt wurde.

Sollte die Vordiagnostik nur sehr rudimentär vorliegen, muss von unserer Seite zu Beginn einer Maßnahme geklärt werden, welche Störungsbilder bei dem Jugendlichen vorliegen. Um die Steuerung der Hilfe in unserer Einrichtung zu verbessern, stellen wir daher der eigentlichen Maßnahme eine bis maximal 3-wöchige Clearing-Phase voran. Diese ist mit ca. 2-3 Plätzen im „Haus Lackenhäuser“ angesiedelt. Mittel der Wahl sind:

•   Vorbefunde (Arztberichte, Gutachten, Hilfeplanprotokolle etc.)
Bereits vorhandene Anamnesen und Behandlungsbefunde sind sehr hilfreich und können einen ersten Eindruck des Jugendlichen vermitteln. Sie werden zur Befundklärung in vollem Umfang herangezogen.

•   Testdiagnostik (allgemeine Standardtestung, dann bei Bedarf spezielle Nachtestung)
Es werden durch den zuständigen Therapeuten standardisiert im „Haus Lackenhäuser“ psychologische Testverfahren zur Eingangsdiagnostik genutzt. Sollten sich hierbei Hinweise auf psychische Erkrankungen ergeben, werden umfangreiche testdiagnostische Untersuchungen, z. T. auch extern (z. B. durch die Kinder- und Jugendpsychiatrie, schulpsychologische Dienste o. ä.) veranlasst.

Die Persönlichkeitsdiagnostik erfolgt zusätzlich durch strukturierte Interviews im Rahmen psychologischer Einzelgespräche (z.B. DiPS); einige Fragebogenverfahren.

•   Anamnese
Bei Aufnahme des Jugendlichen erfolgt die Ausgabe und Erläuterung eines Anamnesefragebogens durch den Betreuer oder den Therapeuten. Das umfangreiche Anamnesegespräch dient dem ersten Kennenlernen des Jugendlichen. Auf der Grundlage des Anamnesefragebogens und dem Anamnesegespräch erfolgt eine Vertiefung einzelner Lebensabschnitte im Rahmen weiterer Gespräche mit Betreuer und/oder Therapeut. Die so gewonnenen anamnestischen Daten und vorhandene Vorbefunde dienen im Rahmen der 1. Falldarstellung in der Großteambesprechung als Grundlage für die gezielte therapeutisch-pädagogische Behandlungs- und Betreuungsplanung sowie für den Einsatz weiterer, gezielter Diagnostikverfahren.

•   Verhaltensbeobachtung (auch systemisch)
Die Diagnostik der sozialen und lebenspraktischen Fertigkeiten und die Leistungsdiagnostik erfolgt durch systematische Verhaltensbeobachtung, insbesondere der pädagogischen Fachkräfte im Lebensalltag und im Rahmen der Arbeits- und Beschäftigungstherapie sowie durch die Mitarbeiter der verschiedenen Dienste im Rahmen des Zusammenlebens und der allgemeinen Alltagsgestaltung (Freizeitgestaltung, Gestaltung des Zusammenlebens in der Gemeinschaft, Umgang mit Regeln und Vorgaben etc.)

•   Aufnahmeuntersuchung (psychiatrisch, durch Facharzt der Fachklinik Schlehreut)
Da viele Jugendliche bereits entsprechende Diagnosen und Medikationen mitbringen, werden sie standardmäßig einen der Fachärzte für Psychiatrie der Fachklinik Schlehreut vorgestellt, um auch gegebenenfalls eine entsprechende medizinische Betreuung aufrechterhalten zu können.

 

Die individuelle Zieldefinitionen im Hinblick auf den therapeutisch-pädagogischen Behandlungs- und Betreuungsverlauf erfolgen dann auf der Grundlage der Test-, der Anamneseergebnisse und der Verhaltensbeobachtungen in den ersten Tagen und Wochen des Aufenthalts. Die Verhaltensbeobachtungen durch die therapeutischen und pädagogischen Mitarbeiter/innen werden im Team diskutiert. Die Ergebnisse werden gegebenenfalls als ICD-10-Diagnosen in dem einrichtungsspezifischen Explorationsleitfaden (ELF-J) festgehalten. Diese Zieldefinitionen erfolgen unter der ausdrücklich geforderterMitwirkung der/des Jugendlichen, um auf diesem Hintergrund eine Entscheidung treffen zu können

1.) ob der Jugendliche eine grundsätzliche Motivation mitbringt. Ist dies nicht der Fall, kann die Clearingsphase in Absprache mit dem einweisenden Jugendamt um 3 weitere Wochen verlängert werden,

2.) ob der Jugendliche aufgrund seiner Störungsbilder für unsere Einrichtung geeignet ist. Ist dies nicht der Fall, werden wir den Jugendlichen in Absprache mit dem einweisenden Jugendamt entweder entlassen oder in eine geeignete Einrichtung querverlegen;

3.) welcher Behandlungsschwerpunkt bei einem weiteren Aufenthalt in unserer Einrichtung im Vordergrund steht. Sollte dies der pädagogische sein, so wird der Jugendliche im „Haus Schachtlau“ untergebracht und weiter betreut, sollte der psychotherapeutische Aspekt im Vordergrund stehen, bleibt der Jugendliche im „Haus Lackenhäuser“, wechselt aber in die Behandlungsphase.

Grundsätzlich erfolgt die endgültige Aufnahme erst nach der Clearingphase und auch erst dann wird ein Bezugsbetreuer zugeteilt und der Jugendliche offiziell in die Hausgemeinschaft aufgenommen.

Die Ergebnisse und Zieldefinitionen werden später in einem von uns entwickelten Einschätzungsbogen übertragen und in regelmäßigen Abständen im Hinblick auf ihre Erreichbarkeit überprüft. Dabei werden Veränderungen in den Zielsetzungen ebenso wie besondere Schwierigkeiten im Erreichen der definierten Ziele besprochen und dokumentiert.

Durch regelmäßige Einzelfallbesprechungen, die in der Vorbereitung eine Überprüfung und Aktualisierung des Einschätzungsbogens durch den Bezugserzieher und –therapeuten mit einbeziehen, wird der Ist-Stand des Jugendlichen mit der letzten Einschätzung und dem gewünschten Soll-Zustand überprüft. Gibt es Veränderungen, die einer Korrektur bedürfen, so wird der Betreuungsplan (die Module) verändert. Dieses System ist durch eine hohe Flexibilität gekennzeichnet.

Im Rahmen eines Hilfeplangesprächs wird dann durch Zielbestimmungen ein (idealer) Soll-Zustand ermittelt. Hieraus ergeben sich nun die Zuteilungen zu pädagogischen, psychotherapeutischen oder sozialtherapeutischen Maßnahmen (Modulen), um den Jugendlichen individuell zu fördern.

 

Pädagogisches Modul

Pädagogische Ebene

Grundsätzlich werden Jugendliche, die eine Suchtproblematik und/oder Verhaltensauffälligkeiten vorzuweisen haben, zuerst nur unter einem gewissen Druck von außen wie z. B. durch die Eltern, das Jugendamt oder die Justizbehörden in eine Maßnahme gehen (extrinsische Motivation).

Je jünger diese Jugendliche sind, wenn sie erstmalig auffällig werden, umso eher kann man davon ausgehen, dass diese Jugendlichen oft auf Grund fehlender Strukturen oder Kompetenzen im Elternhaus keine oder eine falsche Erziehung genossen haben. Zur Erwachsenenwelt besteht ein gestörtes, oft aggressives Verhältnis, was seinen Ursprung in den gemachten (teilweise traumatischen) Erfahrungen findet.

Ein tiefgreifendes, sich im psychotherapeutischen Sinne bereits verfestigtes Krankheitsbild oder eine starke Suchtgefährdung hin zur Suchterkrankung findet sich bei dieser Gruppe nicht.

Diesen Jugendlichen muss in einem ersten Schritt der pädagogischen Arbeit der Sinn eines Aufenthaltes bei uns näher gebracht werden. Außerdem sollen sie lernen, sich an ein Leben in der Gemeinschaft unter bestimmten Regeln zu gewöhnen.

Es wird im Schwerpunkt also

  • zuerst um die Bearbeitung von Widerständen (Fluchttendenzen, Vandalismus),
  • dann um einen Beziehungsaufbau (Vertrauen) zu Erwachsenen
  • und schließlich die Vermittlung von lebenspraktischen Grundfertigkeiten
  • und sozialen Grundregeln gehen.
  • Ergänzt wird das Ganze durch das Auffangen sehr vieler Krisen.

Daher haben wir für diese spezielle Gruppe von Jugendlichen ein eigenes Haus mit hohem pädagogischem Personalschlüssel geschaffen.

Diese Phase der Betreuung braucht einen sehr intensiven, engen Kontakt mit dem Jugendlichen. Häufig entspricht das Entwicklungs- nicht dem Lebensalter, Erziehung hat im alten häuslichen Umfeld nur sehr bedingt stattgefunden. Den Kindern und Jugendlichen sollen durch pädagogische Maßnahmen neue (auch suchtmittelfreie) Perspektiven für ihr Leben aufgezeigt werden. Der Spaß an einem Leben in der Einrichtung muss geweckt werden. Dies alles wird zu einer intrinsischen Motivation führen. Die geeigneten Mittel, um diese Ergebnisse zu erreichen, sind die Hausgemeinschaft im Sinne einer „Therapeutischen Gemeinschaft“ und das Bezugserziehersystem.

Alle Spannungen, Krisen, Konflikte sollen gruppenzentriert gelöst werden. D. h., dass jeder Jugendliche und jeder Mitarbeiter im Bedarfsfall eine Gruppe („Gongrunde“) zur Lösung des Problems einberufen kann. Unter Anleitung der pädagogischen Mitarbeiter können die Jugendlichen lernen, dass Konflikte ohne Gewalt bearbeitet und gelöst werden können. Auch soll eine Offenheit im Haus erreicht, d. h. konflikthafte Verhaltensstrukturen direkt angesprochen und beseitigt werden.

Als persönlicher Ansprechpartner („Elternteil-Ersatz“) hat jeder Jugendliche einen Bezugserzieher. Er ist Anlaufstelle für alle Probleme, er wird aber auch den Jugendlichen gerade in dieser ersten Phase aktiv aufsuchen, um eine tragfähige Beziehung aufzubauen. Vertrauen ist häufig etwas, was diese Jugendlichen neu lernen müssen. Die sich hier mit der Zeit aufbauende emotionale Beziehung ist insbesondere im Krisenfall zur Überwindung von Fluchtwünschen und Abbruchgedanken wichtig. Im Vorfeld können Probleme vom Bezugserzieher erkannt und angesprochen werden.

Das Regelsystem wird in dieser Phase einen hohen Stellenwert haben, d. h. die Einrichtung wird zunächst den Großteil der Verantwortung für den Jugendlichen übernehmen, da noch keine Eigenverantwortung aufgebaut ist. Die Außenkontakte sind auf das Notwendigste beschränkt, um negative Ablenkungen zu verhindern. Erst nach und nach wird dann die (Eigen- und Fremd-)Verantwortung dann an die Jugendlichen abgegeben.

Die Hausgemeinschaft sollte eine Größe von 12 Bewohnern (2 Gruppen á 6 Jugendlichen) nicht überschreiten, um gleichberechtigt den Zugehörigkeits- und Identitätsgedanken leben zu können.

Die Aufenthaltsdauer im pädagogischen Modul sollte sich nach der persönlichen Reife richten, aber mindestens 12 Monate dauern, da die Jugendlichen diese Zeit brauchen, um eine klare Entscheidung gegen ihr altes Leben (z. B. Suchtstrukturen) und für ein aktiv gestaltetes, von der Einrichtung begleitetes (sozial integriertes) Leben treffen zu können und um gesunde Beziehungen erleben zu können.

Gerade bei sehr jungen Bewohnern (11 bis 13 Jahre) ist aber auch an eine längere Aufenthaltsdauer zu denken, da die je nach Herkunftsgeschichte (Verwahrlosungstendenzen etc.) sehr intensive pädagogische Betreuung (bis hin zu zusätzlichen einzelpädagogischen Einheiten) brauchen. Auch werden hier regelmäßig altersgerechte Spielangebote und erlebnispädagogische Maßnahmen (insbesondere zum Erlernen sozialer Regeln) angeboten.

 

Psychotherapeutische Ebene

Die Jugendlichen, die einen großen pädagogischen Hilfebedarf haben, weisen meist nur einen geringen psychotherapeutischen Bedarf auf (u. a. keine klaren ICD-Diagnosen).

Es wird aber davon ausgegangen, dass auch bei diesen Jugendlichen grundsätzlich die Gefahr einer Erkrankung besteht (Gefährdungspotential) und sie einer allgemeinen psychotherapeutischen Unterstützung bedürfen. Daher gibt es auch in diesem Modul ein standardisiertes psychologisches Hilfesystem. Insgesamt stehen im Durchschnitt für ca. 12 Jugendliche 12 Wochenstunden an Therapie zur Verfügung. Mittel der Wahl sind:

  • Kleingruppenarbeit, wobei hier an eine Veränderungsgruppe (Motivationsarbeit im Sinne von „Neugier schaffen“ oder eine Sinngruppe auch mit Suchtthemen) zu denken ist;
  • Einzeltherapie, meist nach Bedarf und vom Therapeuten bestimmt mit einer Dauer zwischen 15 und 45 Min.;
  • Indikationsgruppen, die teilweise unter Aufsicht des Psychologen aber in Durchführung vom Pädagogischen Fachdienst stattfinden können (Coolnesstraining, Suchtgruppe, Mädchengruppe, soziales Kompetenztraining, etc.); hier bestimmt der jeweilige Bedarf die Gruppen;
  • Kriseninterventionen, um Abbrüche in Folge von emotionalen Krisen und Rückfällen zu vermeiden.

 

Sozialtherapeutische Ebene

Auf der sozialtherapeutischen Ebene steht bei den Jugendlichen dieses Moduls die Aufarbeitung mitgebrachter Verpflichtungen im Vordergrund. So sind die älteren Jugendlichen eventuell polizeilich aufgefallen oder es steht eine Gerichtsverhandlung an. Die Vorbereitung für diese öffentlichen Auftritte, sowie die Annahme von Auflagen werden mit dem Bezugsbetreuer besprochen.

Der Umgang mit Taschengeld ist in diesem Modul zumindest zu Beginn stark reglementiert. Das Hinführen zu einem verantwortungsvollen Umgang ist eins der zentralen Ziele.

Das Eigentum Dritter soll geachtet werden.

Der Schulpflicht wird meist im Rahmen einer internen Beschulung gefolgt, da die Jugendlichen durch externe Angebote (Schule) massiv gefährdet sind.

 

Therapeutisches Modul

Psychotherapeutische Ebene

Dies ist das zentrale Modul der psychotherapeutischen Arbeit. Jugendliche, bei denen ein klarer individueller psychotherapeutischer Hilfebedarf ermittelt wurde (z. B. klare ICD-10-Diagnose) werden in das therapeutische Modul verlegt. Hierzu gehören auch alle stark suchtgefährdeten und suchtkranken Jugendliche.

Die Schwerpunkte der therapeutischen Arbeit liegen

  • in der Bearbeitung aufgetretener psychischer Auffälligkeiten (insbesondere Aggressivität, Impulskontrollstörungen),
  • in der Aufarbeitung traumatischer Erlebnisse,
  • darin, individuelle Schwächen ab- und Stärken aufzubauen und natürlich
  • darin, dass Suchtverhaltensweisen aufgezeigt und Verhaltensalternativen erarbeitet werden.

Es kommen je nach Bedarf verschiedene therapeutische Methoden der unterschiedlichsten Schulrichtungen zur Anwendung. Der Aufenthalt in diesem Modul wird in der Regel zwischen 6 und 12 Monaten dauern.

In dieser Einheit wird ein umfangreiches therapeutisches Angebot im Umfang von ca. 50 Wochenstunden für 12 bis 16 Jugendliche vorgehalten, das dem Angebot einer medizinischen Einrichtung gleicht.

Folgende Hilfsangebote sind vorhanden:

  • Einzeltherapie, pro Jugendlichen ein wöchentlicher Termin obligatorisch;
  • Kleingruppen, 2-mal wöchentlich, in denen Problembereiche psychotherapeutisch aufdeckend bearbeitet werden;
  • Indikationsgruppen, die teilweise unter Anleitung des Psychologen nach aktuellem Bedarf störungsspezifisch angeboten werden, aber auch unter Aufsicht des Psychologen in Durchführung vom Pädagogischen Fachdienst stattfinden können (Coolnesstraining, Suchtgruppe, Mädchengruppe, soziales Kompetenztraining, etc.);
  • Kriseninterventionen, um Abbrüche in Folge von emotionalen Krisen und Rückfällen zu vermeiden.

 

Pädagogische Ebene

Die Jugendlichen, die eine gewisse Reife (meist analog zum Lebensalter) mit entsprechenden sozialen Grundfertigkeiten aufweisen können, werden in dieses Modul aufgenommen. Hier bildet in der Regel die Pädagogik neben der Psychotherapie nur den zweiten Schwerpunkt, d.h. die Jugendlichen weisen einen auf dieser Ebene einen geringeren Hilfebedarf auf.

Die pädagogische Betreuung hin zu einer nun selbst- und fremdverantwortlichen Haltung der sozialen Umwelt gegenüber soll hier zum Abschluss gebracht werden.

Das Bezugserziehersystem und die Hausgemeinschaft stellen hierfür die Kernaspekte der Arbeit dar.

Die Mitarbeiter werden einen Teil der Verantwortung an die Gemeinschaft abgeben und der Einzelne kann sich in Eigen- und Fremdverantwortung üben. Hierzu gehört die Organisation der Gemeinschaftsarbeiten und der Freizeit, aber auch das Sorgen um und für die Mitbewohner.

 

Sozialtherapeutische Ebene

Da die Jugendlichen durch externe Angebote (Schule) immer noch massiv gefährdet sind, findet gegebenenfalls weiterhin eine interne Beschulung statt, bei wachsender Stabilisierung ist auch an eine externe Beschulung zu denken.

Ist die Schulpflicht erfüllt und der Jugendliche stabil, kann er Berufspraktika zur Orientierung absolvieren.

Auch wird es dem Jugendlichen je nach Verantwortlichkeit möglich sein, vermehrt Kontakt zu der Außenwelt aufzubauen (z. B. regionale Vereine), wobei aber insbesondere Kontakte zum alten Umfeld kritisch hinterfragt werden sollen.

 

Sozialtherapeutisches Modul

Sozialtherapeutische Ebene

Sobald der Jugendliche sein „Innen“ gefestigt hat, d. h. soziale Kompetenz, sowie Eigen- und Fremdverantwortung erlernt hat, also eine klare Persönlichkeitsstruktur zeigt und alle kritischen Punkte therapeutisch bearbeitet hat, kann er sich dem „Außen“, d. h. seiner Eingliederung in die Gesellschaft widmen. Dies geschieht im Rahmen des sozialtherapeutischen Moduls. Er wird hierzu in die Stadt-Wohngruppe umziehen.

Der Jugendliche möchte hier die Zukunft mitgestalten, sowohl innerhalb der Hausgemeinschaft, als auch seine Persönliche. Hierzu gehört auch die verbindliche Umsetzung der zuvor entwickelten Schul- und/oder Berufsperspektiven. Auch entwickelte Freizeitaktivitäten werden verbindlich umgesetzt und finden im individuellen Wochenplan ihren Raum.

Inhaltlich beschäftigt sich der Jugendliche mit allen Aufgaben und Arbeiten, die für sein Leben nach dem Aufenthalt notwendig sind (Schul- und Berufsausbildung, Wohnungssuche etc.). Das bedeutet, dass die Jugendlichen die örtlichen, externen Schulen besuchen, sich über externe Beratungen (z. B. Arbeitsamt) eine berufliche Perspektive aufbauen und in Betrieben Praktika oder Ausbildungen absolvieren. Auch grundlegende alltägliche Fertigkeiten wie das Führen des eigenen Haushaltes, Ordnung halten, Pünktlichkeit und Verbindlichkeit werden hier praktisch eingeübt.

Von den Jugendlichen wird erwartet, dass sie eine klare Haltung „pro Abstinenz“ leben, was durch regelmäßige Kontrollen auf Alkohol und Drogen in der jetzt belastenderen, da realitätsnäheren Lebensform, gefördert wird.

Die Gemeinschaft (eine Gruppe mit 12 Bewohnern) versorgt sich selbst. Die Aufenthaltsdauer entspricht der notwendigen Restzeit der Betreuung. Hierbei ist jeweils individuell mit dem zuständigen Jugendamt die Intensität der Betreuung, bis hin zum reinen Wohnen, abzusprechen.

Die Arbeit des Mitarbeiterteams orientiert sich vermehrt an sozialtherapeutischen und administrativen Grundsätzen. Außerdem gilt es, den Gesamtablauf und die Aktivitäten des einzelnen Jugendlichen sehr genau zu beobachten (Monitoring), um an wirklich kritischen Punkten (Rückfallgefahr, sonstiges Abgleiten) zusätzlich eingreifen zu können. Außerdem besuchen die Mitarbeiter regelmäßig die externen Praktikums- und Ausbildungsstellen der Jugendlichen.

 

Psychotherapeutische Ebene

Da diesen Jugendlichen ein gewisses Maß an Eigen- und Fremdverantwortung zugebilligt wird, ist hier die psychologische Unterstützung als „Komm-Struktur“ organisiert. Der Umfang beträgt im Durchschnitt für ca. 12 Jugendliche 12 Wochenstunden. Vorgesehene Methoden sind:

  • Kleingruppe, einmal wöchentlich verpflichtend mit aktuellen (Konflikt-)Themen;
  • Einzeltherapie, auf freiwilliger Basis, um aktuelle psychische Probleme zu bearbeiten;
  • Krisenintervention, bei der Jugendliche vom Therapeuten zur Verhinderung von Affekthandlungen (Rückfälle, Abbrüche) zum Gespräch geholt werden.

Im Krisenfall kann diese Regelung allerdings vom Team geändert werden, d. h. es werden mehr Veranstaltungen veranlasst und Jugendliche zu Gesprächen beordert. Ergänzt wird das therapeutische Programm durch regelmäßig stattfindende „Intensivtage“. Hier wird durch verschiedene Interventionstechniken das bisher erarbeitete wieder aufgefrischt.

 

Pädagogische Ebene

Im pädagogischen Bereich ist in den Anwesenheitszeiten der Jugendlichen auch immer mindestens ein Mitarbeiter vor Ort. Wie zuvor wird auch in der Stadt-WG mit einem Bezugsbetreuersystem gearbeitet. Schwerpunkt der Arbeit ist die Betreuung konkreter Konflikt- und Problemsituationen, sowohl in der Hausgemeinschaft als auch im Kontakt mit externen Stellen (z. B. Ämter, Arbeitgeber). Die Betreuung orientiert sich hier allerdings an einer „Komm“-Struktur, d. h., dass neben den wenigen von der Einrichtung veranstalteten und den Mitarbeitern geleiteten Gruppen die Hausgemeinschaft ihre Gruppe inhaltlich eigenverantwortlich organisieren und dass sich jeder Jugendliche eigenständig im Bedarfs- oder Krisenfall Hilfe bei den Mitarbeitern holen muss.

Insgesamt ist also eine langsame „Abnabelung“ vom bisherigen Hilfsangebot angedacht. Die Jugendlichen müssen sich mehr und mehr gegenseitig stützen oder extern Hilfe holen.

Da die Jugendlichen in dieser Phase zum späteren selbständigen Leben ohne direkte pädagogische/therapeutische Unterstützung herangeführt werden sollen, wird in der Stadtwohngruppe bewusst auf eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung verzichtet. D. h., es gibt kein vom Mitarbeiterteam gestaltetes Tagesprogramm, um die Jugendlichen zu beschäftigen. Die in der Einrichtung tätigen Mitarbeiter stehen allerdings für Unternehmungen und Krisensituationen zur Verfügung.